GOTHIC 3 (Piranha Bytes, 2006)

Rollenspiel

Auch im dritten Teil des Ausnahme-Rollenspiels “Gothic” setzt der Spieler die Abenteuer des “Namenlosen Helden” fort. Wie in den Vorgängerteilen gelang es den Entwicklern, ein äußerst lebendiges Fantasy-Universum zu gestalten und dem Spieler enorme Handlungsfreiheit zu gewähren. In der riesigen Spielwelt kann man sich verschiedenen Gruppierungen anschließen und, je nach Vorgehensweise, den Lauf der Ereignisse beeinflussen. Erledigt man für eine Gruppierung bestimmte Aufgaben, steigt man in deren Ansehen und hat mehr Einfluss auf die dortigen Geschehnisse. Selbstverständlich kann der Spieler auch in “Gothic 3” selbst entscheiden, welche Fähigkeiten und Talente er weiterentwickelt und ob er lieber ein mächtiger Magier, oder ein furchtloser Schwertkämpfer werden will.

Obwohl “Gothic 3” eine neue Grafikengine nutzt, die moderne Grafikfeatures wie Bumb Mapping, HDRR oder Shader-Effekte unterstützt, ist man dem eigentlichen Grafikstil treu geblieben. Zudem werden viele, aus “Gothic 1+2” bekannte, Figuren von den selben Synchronsprechern gesprochen. Dies lässt schon von der ersten Spielminute an, die für die Vorgängerspiele so typische, Gothic-Stimmung aufkommen.

Grafisch kann sich “Gothic 3” durchaus mit dem im Frühjahr 2006 publizierten Rollenspielhit “Oblivion” messen. Im direktem Vergleich fällt auf, dass in “Oblivion” die Weitsicht gelungener umgesetzt wurde, während in “Gothic 3” die Modelle der Spielfiguren detaillierter gestaltet sind, wobei “Gothic 3” in den höchsten Qualitätseinstellungen selbst gut bestückte Gigaherz-Monster ins Schwitzen bringt.

Die weitläufig gehaltene Welt von “Gothic 3” unterteilt sich in drei Klimaabschnitte (Wald-, Wüsten-, und Eislandschaften) mit unterschiedlichen Vegetationsbereichen und den darin beheimateten Lebensformen. Auch in “Gothic 3” ist für den Spielhelden der Kampf ums Überleben kein Zuckerschlecken. Die Orks haben viele Ansiedlungen der Menschen unter ihre Kontrolle gebracht und dominieren die meisten Landstriche. Doch statt die Menschen einfach abzuschlachten, wie sie es bisher getan hatten, lassen die Orks die meisten Gefangenen nun als Sklaven für sich arbeiten. Doch nicht nur dies: Es finden sich sogar Menschen, die sich freiwillig als Söldner bei den Orks verdingen und von diesen als Bedienstete geduldet werden.

Obwohl die Steuerung gegenüber “Gothic 1+2” vereinfacht wurde (was nicht von allen Fans als Verbesserung empfunden wird), überzeugt die Kampfsteuerung nur bedingt. Zwar bewegt sich der Spielheld bei den Kampfattacken wesentlich geschmeidiger und er kann jetzt auch problemlos mehrere Gegner aufs Korn nehmen, dennoch gibt es gerade zu Beginn häufiger Situationen, in denen er selbst gegen deutlich schwächere Gegner (z.B. die häufig auftretenden Wildschweine) verliert. Die Attacken sind wirkungslos, weil Angriffe unterbrochen werden, da der eigentlich unterlegene Kontrahent den Spielhelden permanent bedrängt.

Von diesen Schwachpunkten abgesehen und unter Berücksichtigung der enormen Hardwareanforderungen, ist “Gothic 3” eine würdige Fortsetzung der Serie und zählt zu den anspruchsvollsten Rollenspielen auf dem derzeitigen Spielemarkt.

 

Systemvoraussetzungen: Pentium 4 2000, 1024 MB, Win2000+

Spielspaß: 90%

Grafische Präsentation: 90%

Geeignet für: Gelegenheitsspieler