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Rollenspiele, einstmals ein Nischenprodukt im Bereich der Computerspiele, erlangten in den letzten Jahren eine immer größere Marktpräsenz. Die Wurzeln dieser für Entwickler und Konsumenten gleichermaßen komplexen Spielegattung liegen in den frühen Tabletop-Spielen. Der Erste dieser Clubs, die Tactical Studies Association, wurde 1965 in Lake Geneva (USA) gegründet. Der Club beschäftigte sich vorerst jedoch ausschließlich mit dem Nachstellen von historischen Schlachten mittels Zinnfiguren. Die nach festgelegten Regeln ausgetragenen Kriegsspiele erweiterte man später um Fantasy-Elemente. Erst 1974 wurde mit der Urfassung von Dungeons & Dragons (D&D) das erste klassische Rollenspiel ins Leben gerufen, dessen ursprüngliches Regelwerk noch spürbar vom militaristischem Hintergrund der Tabletop-Spiele geprägt ist. In der Weiterentwicklung des D&D-Regelwerks traten jedoch immer stärker Adventure-Anteile in den Vordergrund.
In diesen Rollenspielen setzten sich Fantasy- und spielbegeisterte Fans zusammen an einen Tisch, schlüpften in fiktive Rollen - inzwischen auch im deutschen Sprachraum als »Charaktere« bezeichnet - und erlebten sagenhafte Abenteuer. Ein komplexes Regelwerk bestimmte die Entwicklung der Spielhelden und den Ablauf der Kämpfe, während ein Spielleiter die Ereignisse moderierte und das Einhalten der Regeln überwachte. In diesen sogenannten Freien Rollenspielen (FRS) gibt es keine festgeschriebene Hintergrundgeschichte. Die Spieler und der Spielleiter improvisieren, und der Handlungsrahmen entsteht aus der spontanen Situation heraus. Allein die Naturgesetze der Spielwelt werden durch ein umfangreiches Regelwerk beschrieben, das darüber hinaus auch die verschiedenen Eigenschaften und Fähigkeiten seiner Bewohner definiert. Um für ein ausgewogenes Spielverhältnis zu sorgen, ist beispielsweise ein Magier zwar in der Lage, die mächtigsten Zaubersprüche zu erlernen, im Schwertkampf wird er es jedoch nie zur Meisterschaft bringen. Freie Rollenspiele können bisweilen sogar den Charakter von Theateraufführungen annehmen. Die Spieler verkleiden sich ihrer Rolle entsprechend und treten mit Schaumstoffwaffen gegen Monster und Feinde an. Spieler und Entwickler von Rollenspielen haben ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Hobby. Ein gutes Rollenspiel spielt man nicht, man lebt es!
Obwohl für den PC sehr unterschiedliche Rollenspiele publiziert wurden, haben alle eine gemeinsame Basis. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Spielcharakters (in einigen Rollenspielen kann ein Spieler auch mehrere Figuren gleichzeitig verwalten) und gewinnt aufgrund seiner Taten (Gegner bezwingen, Rätsel lösen oder eine Ausbildung absolvieren) an Fähigkeiten hinzu. In den meisten Fällen sind dies Attribute wie Stärke, Intelligenz, Ausdauer oder Gewandtheit.
Oft stehen dem Spieler zu Beginn eine ganze Reihe vorgefertigter Figuren zur Auswahl, die - je nach Charakterprofil - mit unterschiedlichen Fähigkeitswerten ausgestattet sind. Zauberer weisen üblicherweise höhere Intelligenzwerte auf, um Zugriff auf die einzelnen Zauberstufen zu haben, während Kämpfer mit einem höheren Stärkewert ausgestattet sind. Für Diebe und Schurken sind wiederum Gewandtheit und Ausdauer von großer Wichtigkeit. Nur durch den praktischen Einsatz der verschiedenen Fähigkeiten erhöhen sich die als Basis mitgegebenen Erfahrungswerte. Doch schon in diesem Punkt unterscheiden sich die einzelnen Spiele voneinander. Entscheidet man bei dem einem Spiel selbst, wie die gewonnenen Erfahrungspunkte auf die einzelnen Charakterattribute verteilt werden (z. B. Gothic), entwickeln sich in anderen Rollenspielen nur jene Fähigkeiten weiter, die man auch zum Einsatz bringt (z. B. Dungeon Siege).
Ein weiteres immer wieder benutztes Element in Rollenspielen ist der Einsatz von Gegenständen und Kleidungsstücken. Während ein Barbar immer mächtigere Waffen und schwerere Rüstungen benutzt, um unbeschadet selbst durchs größte Schlachtengetümmel zu gelangen, hält ein Magier nach Schriftrollen mit Zaubersprüchen, Manafläschchen oder magischen Artefakten Ausschau. Viele gefundene Gegenstände ermöglichen es dem Träger, bestimmte Attributwerte zu erhöhen. Ein magischer Ring verleiht dem Besitzer beispielsweise mehr Stärke, und er kann mehr Gegenstände bei sich tragen. Wird ihm der Ring jedoch gestohlen oder ist die magische Kraft zeitlich begrenzt, gehen auch die zusätzlichen Stärkepunkte verloren.
Die meisten Rollenspiele nutzen den Kampf, um ihren Charakteren Erfahrungspunkte zu verschaffen. Je komplexer ein Rollenspiel angelegt ist, um so strategischer muss auch der Spieler bei den stattfindenden Kämpfen vorgehen. Greift beispielsweise ein Magier einen Feuerdämon an, kann er sich entscheiden, ob er mit einem Eis- und Kältezauber kontert, die Flucht ergreift oder einen Rettungswurf versucht. Die Wirkung der entsprechenden Aktion hängt eng mit den entwickelten Fähigkeitswerten der Spielfigur zusammen. Alternativ kann er natürlich auch versuchen - soweit er im Besitz des entsprechenden Zauberspruches ist - eine Kreatur herbeizurufen, die an seiner Stelle kämpft. Besitzt der Magier jedoch nicht ausreichend Übung beim Beschwören von Kreaturen, kann der Zauber auch misslingen, und er steht den Attacken des Feuerdämons schutzlos gegenüber.
Gerade im Ablauf der Kämpfe unterscheidet sich das klassische Rollenspiel vom Rollenspiel am Computer. In Ersterem werden alle Aktionen ausgewürfelt und mit dem Charakterprofil des Helden oder dem des Gegenspielers abgeglichen. Dabei kann jede Spielfigur über Sonderfähigkeiten verfügen, die je nach Bedarf zum Einsatz gebracht werden können. Dazu zählt beispielsweise Unsichtbarkeit, Heilung oder eine Wutattacke. In einem Computer-Rollenspiel wird im Hintergrund durch das Generieren von Zufallszahlen »gewürfelt«. Der Spielablauf ist viel flüssiger, aber weniger transparent. Leider kann man sich in nur wenigen PC-Rollenspielen das Würfelergebnis anzeigen lassen. Dafür haben die Entwickler in einem Computerspiel die Möglichkeit, Nichtspielerfiguren mit einer einfachen Persönlichkeit auszustatten, die daraufhin viel differenzierter auf den Spieler reagieren können. Dadurch ist es in einem PC-Rollenspiel eher möglich, die Illusion einer lebendigen Spielwelt zu erzeugen, als dies in einem klassischen Rollenspiel zu realisieren wäre. Auf eine riesige und komplex angelegte Spielwelt trifft man in fast jedem Rollenspiel. So kann man beispielsweise in Morrowind stundenlang durchs weitläufige Gelände spazieren, ohne mehr als einen Bruchteil der Spielwelt gesehen zu haben.
Rollenspiele sind jedoch nicht allein auf Fantasyszenarien begrenzt. Spiele wie System Shock 2 oder Deus Ex sind in düsteren Science-Fiction-Welten angesiedelt, nutzen aber ebenso rollenspieltypische Spieltechniken. So rüstet man seinen Helden in System Shock 2 nach und nach mit Cyberimplantaten auf und entwickelt gezielt bestimmte Fähigkeitswerte. Man hat im Spiel die Möglichkeit, sich seinen Weg durch die Raumschiffkorridore mit diversen Waffen freizuschießen, kann aber genauso mittels Hackertechniken oder durch PSI-Kräfte seine Ziele erreichen.
Die Entscheidung liegt allein beim Spieler ...
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